Darüber

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1’000 Worte. Wort und Bild, die beiden Teilnehmer im Wettbewerb der visuellen Medien.

Ich war immer schon im Konflikt, was das Wort im Zusammenhang mit meinen Bildern anging. Beim Gestalten meiner jetzigen Webseite ging es mir darum, das Bild sprechen zu lassen. Aber muss das Bild unbedingt sprechen? Muss man es unbedingt mit Wörtern vergleichen? Was passiert genau, wenn ein Bild auf jemanden wirkt? Formen sich im Kopf des Betrachters Wortwolken aus mindestens tausenden von Wörtern? Oder entstehen die Worte erst, wenn man anfängt, mit jemandem darüber zu diskutieren?

Unser Gehirn ist reizgesteuert. Das Betrachten von Bildern löst in uns Reize aus. Einige Reize sind stärker und veranlassen uns dazu, beim Bild zu verweilen. In Zeiten von Sozialen Medien wie Instagram sorgt die Bilderflut, die wir tagtäglich betrachten, dafür, dass der Schwellenwert steigt. Es braucht stetig mehr, um uns zu reizen.

Das heisst, dass man als Fotograf*in entweder immer besser werden muss, um diese Reize auslösen zu können, oder aber man fokussiert sich auf eine Thematik, die einen Reiz so gut wie vorprogrammiert hat. Ersteres bietet Betrachter*innen viel Abwechslung und ist immer wieder für Überraschungen gut. Letzterem sind sie ausgeliefert: Die fotogene Feriendestination, die man daraufhin sofort besuchen möchte. Das halbnackte Model, das an einer unerwarteten Stelle Haut zeigt. Der subtile Blutfleck, der auf etwas Gewalttätiges hinweist.

Aus diesem Grund schreibe ich einen Blog. Bilder betrachten sollte mehr sein als zu swipen und bei einer Reizuberflütung fünf Sekunden zu verweilen, bis der Reiz verebbt ist, um daraufhin weiterzuswipen. Bilder sind Bilder, Wörter sind Wörter, das eine ersetzt das andere nicht. Im Ansatz ist es möglich, das eine mit dem anderen zu beschreiben, mehr nicht. Jedoch kann man mit dem einen zum anderen hinführen. Und das möchte ich hier tun, mit Wörtern zu meinen Bildern hinführen, um den Reizwahn zu bekämpfen.

«Ein paar Wörter vor mittelmässigen Bildern lassen diese auch nicht besser ausschauen», werden sich wohl jetzt einige denken. Und das ist natürlich richtig. Doch es ändert unter Umständen die Art und Weise, wie man an das Betrachten der Bilder herangeht. Denn das ist bei der Masse an Bildern, die nur einen Fingerdruck von uns entfernt ist, bitter notwendig.