Wien & Ljubljana

Ich sitze im 1. Klass-Abteil, das von der SBB generös Fahrenden der 2. Klasse zugänglich gemacht wurde, und versuche, meine Gedanken und Erinnerungen der letzten Reise verwertbar und interessant niederzuschreiben. Das Filmzitat aus meiner letzten Filmlektüre American Beauty kam mir dabei mehr als einmal in den Sinn:

«Well, call me crazy, but it is my philosophy that in order to be successful, one must project an image of success… at all times.» (Buddy Kane, der Immobilienmakler)

Was mache ich hier eigentlich? Ich habe mich doch bewusst gegen Instagram entschieden, um dem aus Projektionen bestehenden Lebensstil zu entgehen, und jetzt ertappe ich mich immer öfters dabei, hier auf meinem Blog, meiner eigenhändig geschaffenen Filterblase, diesselbe Richtung einzuschlagen. Wen versuche ich zu beeindrucken? Die in meiner Wahlheimat zurückgelassenen Familienmitglieder, Freunde und Bekannte? Die Dozentinnen, die sich in ein paar Monaten die Frage stellen werden, ob ich einen Platz in ihrem Studiengang verdient habe? Eine mir unbekannte Öffentlichkeit, auf die ich wie ein einigermassen erfolgreicher Fotograf wirken möchte, der sein Ding durchzieht, das gleichzeitig seine Passion ist, und dadurch zu den glücklichen Prozenten zählt, die mit ihrer Leidenschaft Geld verdienen?

Wieso fühlt es sich dann so falsch an, die Bilder aus Wien und Ljubljana in ein textliches Sonntagsgewand zu kleiden und das Ganze als Instagram-reifen Urlaub zu verkaufen?

Eine mögliche Antwort, ausgesprochen auf der exponierten Mauer der Burg Ljubljanas, während wir dem unlängst verschwundenen Abendrot nachtrauerten:

«Vielleicht solltest du einmal ohne Kamera in die Ferien.» (Simon)

Zugegeben, der Gedanke war mir alles andere als fremd, aber ich hatte ihn stets verdrängt. Das Opfer (mir kommt unweigerlich das Wort Opportunitätskosten in den Sinn) schien mir zu gross und unverantwortbar. Aber doch, je länger ich mit diesem Text hadere, desto wichtiger und richtiger drängt sich diese Lösung auf.

Der Entschluss ist gefasst!


Trotzdem möchte ich hier die Bilder meiner Ferien in Wien und Ljubljana zeigen. Ich habe mich bei der Bearbeitung für ein Ultraweitformat entschieden. Ein paar Bilder gaben den Ausschlag dazu. Das Ultraweitformat ist mir durch das Filmen einigermassen vertraut und wirkt bei Fotos schon recht normal auf meine Augen, doch das Hochformat habe ich dadurch neu entdeckt.

 

Wien

Bisher hatte ich in Städten stets das Gefühl, eine Atmosphäre zu spüren, die in den Strassen vorherrscht. Mein Ziel war es dann jeweils, diese Atmosphäre in Fotos irgendwie einzufangen. Doch Wien war anders: Ich spürte nichts Einheitliches, überall waren vermischte Themen, teilweise überschneidend, aber auch für sich stehend. Die Stadt strahlte nichts Plakatives aus, sie versuchte nicht, mir etwas vorzumachen, wie ich es aus vielen Schweizer Städten kannte. Sie stand für sich, unaufgeregt, aufrichtig, und machte es mir dadurch schwierig. Was ich weiss ist, dass die Stadt auf mich eine ungeheure Lebensqualität ausgestrahlt hat.

Die paar Male, wo ich auf der Reise zum Musikhören kam, hatte ich immer mit diesem Song gestartet.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ljubljana

Hier wollte ich eigentlich mit einem schlauen Satz subtil darauf hinweisen, dass wir nur mit dem Zug gereist sind. Doch die Subtilität in der Klimadebatte hat längst ausgedient. Wieso also nach Wien fliegen, wenn man auch mit dem Zug dorthin kann? Auf diese Weise hatten wir schon unterwegs viel über das Land erfahren. Bei jeder Bahnhofsankunft in Slowenien trat ein Herr mit rotem Käppi vor das symmetrische Gebäude und musterte den einfahrenden Zug. Die Landschaft ist definitiv mit der Schweiz vergleichbar, auch die Häuser waren austauschbar mit Schweizerischen Pendants, sogar die davor parkierten Autos.

Ljubljana gestaltete sich als Architekturmekka. Je weiter man vom Bahnhof Richtung Fluss lief, desto stärker wurde auch das touristische Flair. Polierte Strassen und Fassaden, und wo dies nicht der Fall war, wurde entweder schon umgebaut oder war es zumindest schon in Planung. Der Fluss umkreist eine kleine Anhöhe, auf der die Burg steht, für die Ljubljana bekannt ist. Berechtigt, wie sich herausstellte, die gesamte Anlage wurde auf eine beinahe provokative Art restauriert. Ich konnte mich kaum sattsehen an den Burgmauern, die nur mit Fantasie noch als solche bezeichnet werden konnten.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Keine Regel ohne Ausnahme: Manchmal passt das Ultraweitformat eben nicht. Trotzdem eines meiner Lieblingsbilder der Reise.