Zurückkehren

Das Wiederbesuchen von Locations bringt Vor- und Nachteile mit sich. Zu den Vorteilen zähle ich den gestalterischen Zwang, etwas Anderes - jedoch nicht unbedingt etwas Besseres - mit nach Hause zu bringen. Besser ist subjektiv, anders nicht. Besser stresst mich, anders hingegen spornt mich an, fordert mich. Zwei Mal am selben Ort zu sein bedeutet für mich auch, dass ein drittes Mal nicht unwahrscheinlich sein wird. Dies erlaubt mir, eine Thematik zu setzen und mich während des Besuchs ohne schlechtes Gewissen nur auf diese zu konzentrieren.

Der Nachteil ist eng verbunden mit den Vorteilen und wirkt sich effektiv auf diese aus: Das Zurückfallen in alte Muster. Nicht selten bleibe ich beim erneuten Besuch vor dem genau gleichen Blickwinkel stehen wie schon letztes Mal und drücke ab. Das Ergebnis ist ein ähnliches Bild, dass nur durch zufällige Faktoren wie Wetter und Landschaftszustand vom Originalbild abweicht. Scheinbar unbewusst wollte ich somit ein besseres Bild machen als zuvor. Ebenfalls rüttelt dieses Zurückfallen oftmals an meinem Vorhaben, thematisch zu fotografieren, da es mit der Angst spielt, einen ästhetischen Blickwinkel unfotografiert zu lassen. Sehr unförderlich das Ganze…

Die Lösung: mich einzuschränken. Wenn ich psychisch schon nicht in der Lage bin, mich an das geplante Thema zu halten, dann muss ich mich physisch einschränken und nehme einfach nur eine Brennweite mit. Beim nächsten Besuch ist es dann eine andere. Diese künstliche Limitation lässt mich den Tag geniessen, trotz den ganzen verpassten Fotoideen, welche nicht mit der Brennweite kompatibel sind.


Doch da gibt es noch etwas Anderes. Etwas, dass mir vor genau einem Jahr bewusst wurde, als ich mit meinen Mitbewohnern auf dem Schiff über den Brienzersee fuhr. Die Vervollständigung einer Reise durch das Zurückkehren. Bis dahin war ich während den letzten Jahren immer mal wieder in der Gegend unterwegs gewesen, manchmal allein, manchmal zu zweit, stehts mit Kamera. Dieses Mal liess ich alles zu Hause und bis auf ein paar Auslösungen mit der Leica des Mitbewohners konnte ich aufs Bildermachen verzichten.

Was blieb sind keine rechteckigen Erinnerungen, sondern ein neues Ganzes, zusammengesetzt aus den früheren Besuchen des Ortes mit Kamera und dem letzten Besuch ohne. Als ob meine Eindruck vervollständigt wurde durch diesen Fokus auf das Nicht-Bilder-Machen. Denn dieses Jahr verspüre ich kein Bedürfnis mehr, dorthin zurückzukehren…


Bilder von der Fototour mit Manuel auf dem Brienzersee aus dem Jahr 2017. Ein magischer Ort, wo man sich selbst als Schweizer jedes Mal aufs Neue wie ein Tourist fühlt.